Impfungen
Allgemeines zu Impfungen
Impfungen sind ein wichtiger Bestandteil der präventiven Medizin, auch wenn noch immer viel über Impfungen diskutiert wird.
Bei vielen Maßnahmen in der Medizin muss man eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen. Bei den Impfungen ist der Fall klar: Die Krankheiten, die verhindert werden können, sind viel häufiger als die sehr, sehr seltene Impfkomplikationen.
Man muss natürlich auch unterscheiden, nicht alle Impfungen sind immer zu empfehlen. In Deutschland haben wir eine sehr gute Institution, die ständig alle Daten zu den Impfungen und Infektionskrankheiten überwacht und Empfehlungen heraus gibt, die in der Regel sofort vom Gesetzgeber in die allgemeinen Empfehlungen übernommen werden. Diese Institution ist das Robert-Koch-Institut. Auf den sehr informativen Internet-Seiten finden Sie viele Informationen zu allen Impfungen.
In unserer Praxis befürworten wir generell das Impfen. Bei speziellen Fragen wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.
Impfungen haben mehrere Aspekte:
- Schutz der geimpften Person selbst
- Schutz von Personen im Umfeld (wenn z.B. Eltern und Großeltern von Kleinkindern gegen Keuchhusten geimpft werden oder Pflegende von Schwerkranken gegen Grippe)
- Schutz der gesamten Bevölkerung, mit dem Ziel, durch eine möglichst hohe Durchimpfung Krankheiten komplett auszurotten, was bisher leider nur bei den Pocken gelungen ist
Ein gutes Beispiel, was passiert, wenn die Impfbereitschaft zurück geht, zeigte sich im Jahr 2008 in Teilen Deutschlands und der Schweiz: durch die geringe Impfrate gegen Masern in bestimmten Regionen kam es zu mehreren Masern-Epidemien mit einigen Fällen auch von Masern-Encephalitis (Entzündung des Gehirns) bei Kleinkindern.
Ein oft gebrachtes Argument gegen die Kombinationsimpfungen ist jenes, dass darin dann zu viele Stoffe wären, auf die der Körper reagieren müsse und dass dies schädlich wäre. Es ist genau umgekehrt: Die modernen Impfstoffe sind sehr arm an Zusatzstoffen, ganz im Gegensatz zu vielen älteren Einfach-Impfstoffen. Es macht deshalb keinen Sinn, statt eines modernen 6-fach-Impfstoffes für Kinder (mit 8-10 verschiedenen Inhaltsstoffen) einen veralteten Einfach-Impfstoff einzusetzen, der über 400 Einzelsubstanzen enthält.
Man unterscheidet folgende Arten von Impfungen:
1. Impfungen, die für alle Personen empfohlen sind, z.T. nur im Kindesalter, z.T. mit Auffrischungen ein Leben lang
- Tetanus (Wundstarrkrampf)
- Diphtherie
- Pertussis (Keuchhusten)
- Polio (Kinderlähmung)
- Hämophilus influenzae
- Hepatitis B
- Pneumokokken
- Meningokokken
- Masern
- Mumps
- Röteln
- Varizellen (Windpocken)
2. Impfungen für spezielle Personengruppen, so ältere oder abwehrgeschwächte Menschen, Menschen mit Abwehrschwäche, Personen in bestimmten Tätigkeitsgebieten (medizin. Bereich, Waldarbeiter, Kläranlage etc.)
3. Reiseimpfungen
4. Postexpositionelle Impfungen (d.h. Impfungen, die erst nach einer möglichen Infektion durchgeführt werden), z.B. Tollwut
Daneben werden nach dem Impfstoff selbst Totimpfstoffe (nur Bestandteile des Erregers oder abgetötete Erreger) und Lebendimpfstoffe (abgeschwächte Erreger) unterschieden.
Unerwünschte Wirkungen von Impfungen
Typische Impfreaktionen sind:
- Rötung, Schwellung, Schmerzhaftigkeit an der Injektionsstelle
- erhöhte Temperaturen
Sie werden im Allgemeinen innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Impfung beobachtet.
Nach der MMR-Impfung kann es zwischen dem 7. und dem 12. Tag zu einer leichten masernähnlichen Symptomatik mit erhöhten Temperaturen kommen. Die prophylaktische Gabe von Antipyretika für den Zeitraum möglicher fieberhafter Impfreaktionen ist zu erwägen.
Neben diesen normalen Impfreaktionen sind schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Impfkomplikationen, Impfschäden) äußerst selten (etwa 1:1 Mio.): Zeitgleich mit der Impfung auftretende Erkrankungen anderer Genese können als unerwünschte Arzneimittelwirkungen imponieren. Deshalb ist ein über die normale Impfreaktion hinausgehendes Vorkommnis unverzüglich abzuklären. Bei einem Impfschaden erfolgt eine Entschädigung aus staatlichen Quellen (Infektionsschutzgesetz §§60-64).
Bei früherem Auftreten von Fieberkrämpfen sollte evtl. nach der Impfung auftretendes Fieber großzügig gesenkt werden.
Wann darf nicht geimpft werden (sog. Kontraindikationen?)
- Vorgehen bei Infekten: Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten frühestens 2 Wochen nach Genesung geimpft werden (Ausnahme: postexpositionelle Impfung).
- Impfhindernisse können Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs sein. In Betracht kommen vor allem Neomycin und Streptomycin sowie in seltenen Fällen Hühnereiweiß. Personen, die nach oraler Aufnahme von Hühnereiweiß mit anaphylaktischen Symtomen reagieren, sollten nicht mit hühnereiweißhaltigen Impfstoffen (Influenza-, Gelbfieberimpfstoff) geimpft werden.
- Im Fall eines angeborenen oder erworbenen Immundefekts sollte vor der Impfung mit einem Lebendimpfstoff der den Immundefekt behandelnde Arzt konsultiert werden.
- Nicht dringend indizierte Impfungen sollten während der Schwangerschaft nicht durchgeführt werden, dies gilt vor allem für Impfungen mit Lebendimpfstoffen gegen Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen.
Falsche Kontraindikationen, d.h. Umstände, die irrtümlich als Kontraindikationen angesehen werden, dürfen nicht dazu führen, dass indizierte Impfungen unterbleiben.
Zu den “falschen Kontraindikationen” gehören
- banale Infekte, auch wenn sie mit subfebrilen Temperaturen (<=38,5 °C) einhergehen
- ein möglicher Kontakt des Impflings zu Personen mit ansteckenden Krankheiten
- Krampfanfälle in der Familie
- Fieberkrämpfe in der Anamnese des Impflings (eine Gabe von Fiebersenkern ist zu erwägen z.B. bei Totimpfstoffen zum Zeitpunkt der Impfung und jeweils 4 und 8 Stunden nach der Impfung sowie bei der MMR-Impfung zwischen dem 7. und 12. Tag im Falle einer Temperaturerhöhung)
- Hautausschläge
- Behandlung mit Antibiotika oder niedrigen Dosen von Kortison oder lokal angewendeten steroidhaltigen Präparaten
- Schwangerschaft der Mutter des Impflings
- Angeborene oder erworbene Immundefekte bei Impfung mit Totimpfstoffen
- Neugeborenengelbsucht
- Frühgeburtlichkeit (Frühgeborene sollten unabhängig von ihrem Reifealter und aktuellen Gewicht entsprechend dem empfohlenen Impfalter geimpft werden.)
- Chronische Krankheiten sowie nicht progrediente Krankheiten des ZNS.
Verhalten nach der Impfung
- Genuss von Alkohol, Saunabesuch, Hochleistungstraining und intensive Sonneneinstrahlung können die Impfreaktion verstärken.
- Kein Sport an diesem Tag, 2-3 Tage keine Extremleistungen (Gelbfieber: 1 Woche Kein Sport)
- Blutspende: Totimpfstoffe: 48 Stunden; Lebendimpfstoffe: 4 Wochen danach keine Spende, bei Tollwut 12 Monate, Hepatitis B 2-3 Wochen
Schwangerschaft und Impfung
- Schwangerschaft prinzipiell als Kontraindikation für Lebendimpfstoffe (Totimpfstoffe egal)
- wenn „versehentlich“ eine unbekannte Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Impfung bestand, hat dies keine Konsequenz, es wurden noch keine Schäden durch eine Impfung in der Schwangerschaft festgestellt
- aber bei Lebendimpfstoffen empfehlen: 1-3 Monate danach keine Schwangerschaft
Impfungen in unserer Praxis
Oft ist es schwierig, über alle möglichen Impfungen die Übersicht zu bewahren und zu entscheiden, ob und welche Impfung sinnvoll ist. Sie können sich hierbei auf unser Fachwissen verlassen. Als zusätzlichen Service bieten wir Ihnen einen sog. „Recall“ an, d.h. unsere Praxis-EDV erkennt, wann bei Ihnen eine Impfung fällig wird, und wir erinnern Sie per Anruf. Aber das natürlich nur, wenn Sie einverstanden sind.
Sie müssen noch bedenken, dass einige Impfungen, speziell Reiseimpfungen, nicht unbedingt Kassenleistung sind, d.h. von Ihnen selbst bezahlt werden müssen. Im Zweifelsfall fragen Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse nach oder im Internet, z.B. unter www.crm.de/krankenkassen/index.html.
Bei speziellen Fragen wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.
Ihr Praxis-Team Höpfner
„Ein Mann, der zu beschäftigt ist, sich um seine Gesundheit zu kümmern, ist wie ein Handwerker, der seine Werkzeuge nicht pflegt.“
(spanisches Sprichwort)
>> Links
> Empfehlungen der STIKO, www.rki.de
> Zentrum für Reisemedizin: www.crm.de/
> Zur Kostenübernahme von Reiseimpfungen: www.crm.de/krankenkassen/index.html

